20 Jahre Erfolg – Tourenplan mit Nadeln und Gummi

By 23. Februar 2010 November 19th, 2018 Presse

Wie aus der Idee eines Fuhrgeschäftes die internationale Spedition „Starke“ wurde.

Kein Geld in der Tasche, aber eine Vision im Kopf: Als René Starke, 27 Jahre jung und Aktivist beim „Neuen Forum“, am 23. Januar 1990 beim Rat der Stadt Gera den Antrag auf Eröffnung eines Fuhrgeschäftes stellt, hat er weder Kunden, Lieferanten und geschweige denn einen Lkw.
Entsprechend vorsichtig reagiert auch die Abteilung Verkehrswesen: „O.g. Antrag wird zugestimmt, wenn die materiell-technische Basis (Nutzkraftfahrzeug) gegeben ist“, teilte die Behörde mit dürren Worten mit.
Starke, Autoschlosser beim Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Gera, lässt von seinem Traum nicht locker: Auf einer DIHT-Kontaktbörse im Februar ’90 in Westberlin knüpft er erste Verbindungen zur Branche. „Obwohl mein Vater zu DDR-Zeiten ein winziges Fuhrunternehmen besaß, hatte ich im Kern keine Ahnung, wie man so ein Geschäft aufzieht“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer der Möbeltransporte R. Starke.
In Dr. Hans Bovermann, Geschäftsführer der Wiesbadener Spedition L. Rettenmayer GmbH und später langjähriger Gesellschafter der am 1. Juli 1990 in Gera-Thieschitz gegründeten Rettenmayer und Starke GmbH, findet der Geraer den Partner, der seine Visionen ohne Wenn und Aber mitträgt, auch wenn er Starkes Geschäftsidee anfangs belächelt. Denn Renè Starke setzt nicht auf Umzugsservice, sondern auf Möbel. „Ich habe Bovermann gesagt, in der DDR funktioniert der Umzug nicht, weil die Familien sich helfen und ihre Sprelacart-Küche lieber selber aufbauen. Aber Möbel- da gab es einen gewaltigen Nachholebedarf.“ Bovermann vertraut dem jungen Geraer, fädelt ein Geschäft mit dem Otto-Versand ein, stellt ihm ohne Bedingungen einen Lkw „MAN“ zur Verfügung. „Das war ja mein Traum: Ich wollte Lkw fahren und Waren ausliefern.“

Der Traum wurde kurzzeitig zum Albtraum: Gemeinsam mit seinem Vater Wolfgang holt René Starke die erste Fracht aus Coburg ab: Otto-Versandpakete – Möbel, Waschmaschinen, Fernseher und andere Waren, die er im Osten verteilen soll. „Verteilen war gut: Das Gebiet reichte bis nach Guben“, erinnert sich der Unternehmer. Stress pur auch an der noch existierenden innerdeutschen Grenze in Hirschberg: „Die wollten für die Ware eine Bestätigung vom Außenhandelsministerium der DDR.“ Nach einem zermürbenden Stellungskampf – „Ich räum‘ hier nichts vom Lkw! kontert Starke – geben die DDR-Zöllner auf. Mit einer aufgeklebten Landkarte, Nadeln und jeder Menge Gummi wird der erste Tourenplan erstellt. „Wir waren rund um die Uhr unterwegs.“
Starkes Firma wächst, Freunde, Verwandte, ehemalige Arbeitskollegen werden eingestellt. Immer größere Mengen sind zu transportieren. „Es war eine Goldgräberzeit, aber natürlich hatte ich auch Angst, als es beispielsweise darum ging, Millionen Mark in die Hand zu nehmen und ein großes Logistikzentrum in Gera-Thieschitz zu bauen“, sagt der Unternehmer.

Doch alles geht gut. 1998 erwirbt Renè Starke alle Firmenanteile. Er baut ein weiteres Standbein auf: den Umzugsservice. Die Schnelligkeit und Qualität, mit der seine Firma Aufträge erledigt, zahlt sich aus: die Firma managt unter anderem den Umzug des Finanzamtes Gera. 130 Mitarbeiter und über 40 Fahrzeuge zählt das Unternehmen mittlerweile. Obwohl eine GmbH, setzt Renè Starke auf die Stärken eines Familienunternehmens, auf den gemeinsamen Erfolg. Er selbst sieht noch lange nicht die Zeit, um unter Palmen zu liegen. Aber vielleicht, so seine zarte Hoffnung, tritt sein 14 Jahre alter Sohn eines Tages in die Firma ein.

Quelle: OTZ-Redakteur Frank Kalla