Wende-Pioniere der Wirtschaft
01.07.2010
Geraer Existenzgründer von 1990 beim Unternehmertreff des Vereins Gründercoach.
Einige hatten die Einladung vom Verein „Gründercoach“ ganz wörtlich genommen und kamen mit ihrer Gewerbegenehmigung aus der Wendezeit gestern Abend zum spontanen Unternehmertreff in die Fußballarena am Kultur- und Kongresszentrum.„Es gibt einige Unternehmer in der Stadt, die die 20 Jahre seit der Wende mit allen Höhen und Tiefen durchgehalten haben“, sagte Roberto Tamaske vom „Gründercoach“. Sie seien die „Trümmerfrauen“, die die neue Wirtschaft in der Stadt mit aufgebaut und bis heute weitergeführt haben.
„Ich war damals 21, wohl der jüngste Existenzgründer“, sagte der Druckerinhaber Torsten Blau. Auf seinem und den anderen mitgebrauchten Gewerbebescheinen prangt noch das Siegel vom Rat der Stadt Gera. Blau hatte angefangen mit einem Büro in einem ehemaligen Schweinestall in Leumnitz, in der Räucherkammer wurde die Druckerei eingerichtet. Längst ist das gestandene Unternehmen mit seinen Mitarbeitern in die Stadtmitte umgezogen.
Transportunternehmen René Starke erzählte davon, wie er und sein Vater über die noch geschlossene innerdeutsche Grenze Waren eines Versandhandels in den Ost brachten. Heute zählt sein Unternehmen 130 Mitarbeiter, hat Betriebsteile in Thieschitz und Ronneburg und baut für 2,2 Millionen Euro derzeit ein Logistikbereich in der Leibnizstraße in Gera-Untermhaus auf.
Peter Hanusch war gemeinsam mit einem Freund in einer GbR für Sicherheitstechnik gestartet. „In den Altenbundesländern hab‘ ich erst geguckt, wie das funktioniert.“ Dann habe er mit einem Tresorbauer aus Nürnberg den Einzug in die Sparkasse eingerichtet. Diese große Aufbauära ist vorbei, von zwischenzeitlichen zwölf Leuten im Unternehmen sind drei geblieben. Die sich jetzt auf ergonomische Büroeinrichtungen spezialisiert haben.
Auch der Gastgebern Heiko Fischer von der LVN, die Sponsor sein Versicherungsgeschäft vor 20 Jahren eröffnet. Alexander Schott erzählte, dass er am 3. Januar 1990 das erste private Reisebüro in Gera aufgemacht habe. „Die Leute wollten damals in die Alpen und an den Rhein.“ Bis heute gibt es das Reisebüro im Zentrum als reines Familienunternehmen. Schott hofft, „dass der Tatendrand von einst bewahrt bleibt, auch wenn sich vieles geändert hat.“
Wer anfangs Partner aus den Altenbundesländern hatte, steht heute meist auf eigenen Füßen. Der vor drei Jahre gegründete Verein „Gründercoach“ funktioniere als Netzwerk für praktische Unternehmensberatung, erläuterte Roberto Tamaske. Auch er war im Jahr 1990 gestartet, als Unternehmensberater, und er hatte Vorträge organisiert, in denen Experten den Wende-Pionieren erklärten, wie die Marktwirtschaft funktioniert.
Quelle: OTZ - Angelika Munteanu
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